Besetzung:

Oliver Kai Müller
Mélanie Linzer
Alexander Valerius
Maximilian Wex
Aylin Kekec
Hannah Bröder
Leonard Schärf
Charlotte Wollrad
Bastian Hahn

Inszenierung: Christian Suhr

Spieldauer: 2 Stunden (eine Pause)

PREMIERE: 23.08.2019
beim Festival VOLK IM SCHLOSS 2019

TicketsPresse

DARMSTÄDTER ECHO 18.3.19 (Anke Mosch)

Die Vorlage zur „Dreigroschenoper“ hat fast 300 Jahre auf dem Buckel – aber bei der Premiere in der Leeheimer Büchnerbühne präsentiert sich die „Bettleroper“ frisch und frech.


Kaum zu glauben, dass die Vorlage für Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ fast 300 Jahre auf dem Buckel hat. Frisch und fröhlich frech in ihrer beißenden Kritik einer korrupten Gesellschaft, kam die „Bettleroper“ frei nach John Gay in der Büchnerbühne daher, am Freitagabend stürmisch gefeiert vom Premierenpublikum im ausverkauften Theater an der Kirchstraße.
Der Abend wurde zwar lang, aber nie langatmig. Was vor allem ein Verdienst der Musik war. Büchnerbühnenleiter Christian Suhr hat sich in seiner Inszenierung eng an der 1728 in London uraufgeführten „Beggar’s Opera“ von John Gay orientiert, die Musik für seine Bettleroper aber komplett neu arrangiert und komponiert. Tatkräftig unterstützt wurde er von Mitgliedern des Absinto Orkestra. Die Musiker der Balkan-Beat-Band spielten nicht nur gewohnt temperamentvoll auf, sondern bereicherten das quirlige Bühnengeschehen auch als Bandenmitglieder aus Peachums Bettlersyndikat. Der Hausmusiker der Büchnerbühne wiederum, Bastian Hahn, griff zu Akkordeon und akustischer Gitarre und gab zudem den kleinen, verhuschten Bettler Filch mit hinreißend anrührendem Sprachfehler.

Personal und Handlung sind aus der „Dreigroschenoper“ bekannt: Geschäftsmann Mr. Peachum (Erich Schaffner) hat ein straff durchorganisiertes und auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Bettlerimperium aufgebaut. Wer nicht mehr genug Geld ranschafft, wird gewinnbringend an Polizeidirektor Lockit (Alexander Valerius) verraten. Das lukrative System gerät in Gefahr, als sich Töchterchen Polly (Hannah Bröder) in Gegenspieler und Weiberheld Captain Macheath (Oliver Kai Müller) verliebt und so dämlich ist, ihn gleich zu heiraten. „Die Ehe ist die kostspieligste Plage auf der ganzen Welt“, giftet die entsetzte Mutter (Mélanie Linzer).

Doch Peachum wäre nicht der gerissene Geschäftsmann, wenn er nicht schnell die monetären Vorteile dieser Verbindung sehen würde: Wenn er Macheath verpfeift, ist er einen Konkurrenten los, streicht das Kopfgeld ein und macht die Tochter zur reichen Witwe. Die Drecksarbeit des Verrats lässt Peachum dann die Schwarze Witwe machen (herrlich schrill: Ursula Stampfli).

Es dauerte eine ganze Weile, bis der triebgesteuerte Captain das erste Mal in Erscheinung trat – aber dann mit Wucht. Im gestreiften Morgenmantel, mit Schmachtblick und Schmelzstimme bezirzte Macheath Polly und Publikum gleichermaßen. Überhaupt war der Abend geprägt von starken Stimmen. So gab Mélanie Linzer mit ihrer schönen Altstimme all der Enttäuschung und Desillusionierung ihrer Mrs. Peachum Ausdruck, und Johanna Bronkalla sang als Schwester des Polizeidirektors und weitere Braut des Macheath mit der Haltung einer sitzengelassenen Flamenco-Tänzerin ihren Grimm über den treulosen Geliebten wie über die verhasste Konkurrentin hinaus. Erich Schaffners Peachum wirkte zu Beginn ein wenig zerstreut, war aber stimmlich immer voll präsent, und auch Alexander Valerius setzte als Lockit besondere Akzente.

Das letzte Wort der Bettleroper gebührte dem titelgebenden Bettler (Karsten Leschke), der das Stück ersonnen hat: Nach der Moral müsste Macheath eigentlich hängen, doch aus Rücksicht auf den Publikumsgeschmack gibt es augenzwinkernd ein Happy End für den Weiberhelden.

                                                                   
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Der Park

von Botho Strauss

Titania und Oberon, die Liebesgötter aus Shakespeares „Sommernachtstraum“, finden sich im 21. Jahrhundert in einem ziemlich verdreckten Frankfurter Stadtpark wieder, wo sie sich bemühen, den Menschen erotische Lust, Sinnlichkeit und Poesie zu bringen.

Ihr Zauber verfängt jedoch nicht mehr: Die Welt ist liebesunlustig geworden, und auf die hektischen, ganz mit sich beschäftigten Zeitgenossen wirken die Naturgeister eher wie Freaks und Spinner.

Die Realpolitik des Alltags behält in den modernen Liebesbeziehungen menschlicher Paare die Oberhand, und scheinbar müssen sich auch Titania und Oberon ihr beugen. Doch ein seltsames Wesen gibt die Hoffnung nicht auf.

Oberons Handlanger Cyprian produziert nämlich sinnenverwirrende Amulette, die man als Modeschmuck unter die Leute bringen kann: kein "Kitschsouvenir aus irgendeinem Sektenshop", sondern veritable Fruchtbarkeitsdämönchen, die es in sich haben ...


Probenbilder

Fotos: CS / BüchnerBühne