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Besetzung:

Mélanie Linzer
Oliver Kai Müller
Alexander Valerius
Hannah Bröder
Vincent Hoff

Inszenierung: Christian Suhr

Spieldauer: 85 Minuten (keine Pause)

PREMIERE: 29.11.2019

TicketsPresse

DARMSTÄDTER ECHO 18.3.19 (Anke Mosch)

Die Vorlage zur „Dreigroschenoper“ hat fast 300 Jahre auf dem Buckel – aber bei der Premiere in der Leeheimer Büchnerbühne präsentiert sich die „Bettleroper“ frisch und frech.


Kaum zu glauben, dass die Vorlage für Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“ fast 300 Jahre auf dem Buckel hat. Frisch und fröhlich frech in ihrer beißenden Kritik einer korrupten Gesellschaft, kam die „Bettleroper“ frei nach John Gay in der Büchnerbühne daher, am Freitagabend stürmisch gefeiert vom Premierenpublikum im ausverkauften Theater an der Kirchstraße.
Der Abend wurde zwar lang, aber nie langatmig. Was vor allem ein Verdienst der Musik war. Büchnerbühnenleiter Christian Suhr hat sich in seiner Inszenierung eng an der 1728 in London uraufgeführten „Beggar’s Opera“ von John Gay orientiert, die Musik für seine Bettleroper aber komplett neu arrangiert und komponiert. Tatkräftig unterstützt wurde er von Mitgliedern des Absinto Orkestra. Die Musiker der Balkan-Beat-Band spielten nicht nur gewohnt temperamentvoll auf, sondern bereicherten das quirlige Bühnengeschehen auch als Bandenmitglieder aus Peachums Bettlersyndikat. Der Hausmusiker der Büchnerbühne wiederum, Bastian Hahn, griff zu Akkordeon und akustischer Gitarre und gab zudem den kleinen, verhuschten Bettler Filch mit hinreißend anrührendem Sprachfehler.

Personal und Handlung sind aus der „Dreigroschenoper“ bekannt: Geschäftsmann Mr. Peachum (Erich Schaffner) hat ein straff durchorganisiertes und auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes Bettlerimperium aufgebaut. Wer nicht mehr genug Geld ranschafft, wird gewinnbringend an Polizeidirektor Lockit (Alexander Valerius) verraten. Das lukrative System gerät in Gefahr, als sich Töchterchen Polly (Hannah Bröder) in Gegenspieler und Weiberheld Captain Macheath (Oliver Kai Müller) verliebt und so dämlich ist, ihn gleich zu heiraten. „Die Ehe ist die kostspieligste Plage auf der ganzen Welt“, giftet die entsetzte Mutter (Mélanie Linzer).

Doch Peachum wäre nicht der gerissene Geschäftsmann, wenn er nicht schnell die monetären Vorteile dieser Verbindung sehen würde: Wenn er Macheath verpfeift, ist er einen Konkurrenten los, streicht das Kopfgeld ein und macht die Tochter zur reichen Witwe. Die Drecksarbeit des Verrats lässt Peachum dann die Schwarze Witwe machen (herrlich schrill: Ursula Stampfli).

Es dauerte eine ganze Weile, bis der triebgesteuerte Captain das erste Mal in Erscheinung trat – aber dann mit Wucht. Im gestreiften Morgenmantel, mit Schmachtblick und Schmelzstimme bezirzte Macheath Polly und Publikum gleichermaßen. Überhaupt war der Abend geprägt von starken Stimmen. So gab Mélanie Linzer mit ihrer schönen Altstimme all der Enttäuschung und Desillusionierung ihrer Mrs. Peachum Ausdruck, und Johanna Bronkalla sang als Schwester des Polizeidirektors und weitere Braut des Macheath mit der Haltung einer sitzengelassenen Flamenco-Tänzerin ihren Grimm über den treulosen Geliebten wie über die verhasste Konkurrentin hinaus. Erich Schaffners Peachum wirkte zu Beginn ein wenig zerstreut, war aber stimmlich immer voll präsent, und auch Alexander Valerius setzte als Lockit besondere Akzente.

Das letzte Wort der Bettleroper gebührte dem titelgebenden Bettler (Karsten Leschke), der das Stück ersonnen hat: Nach der Moral müsste Macheath eigentlich hängen, doch aus Rücksicht auf den Publikumsgeschmack gibt es augenzwinkernd ein Happy End für den Weiberhelden.

                                                                   
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Die Affaire Rue de Lourcine

Eine Burleske von Eugène Labiche

Es war ein feuchtfröhlicher Abend. Nicht nur ein Glas wurde zu viel getrunken. Die Erinnerung an die letzten Stunden der Nacht sowie die Erinnerung an den Weg nach Hause sind nur noch unscharf vorhanden. Jetzt brummt der Kopf. So geht es Monsieur Lenglumé, als er am Morgen in seinem Bett erwacht. An alle Details der letzten Nacht kann er sich definitiv nicht mehr erinnern. Im Bett neben ihm liegt dann auch nicht seine Frau, sondern ein ihm fremder Mann – Monsieur Mistingue.

Was ist passiert? Weitere Indizien geben Rätsel auf: Kohlenstücke in den Hosentaschen der Männer, eine blonde Locke, ein Damenhäubchen und ein Frauenschuh ohne Besitzerin im Schlafzimmer des Herrn Lenglumé. Der Filmriss ist perfekt. Um seine Frau nicht zu beunruhigen, stellt Lenglumé den fremden Bettnachbarn als alten Freund vor. Alle versammeln sich um den Frühstückstisch. Da bestätigt die morgendliche Zeitungslektüre alle Befürchtungen: In der Rue de Lourcine wurde ein Mädchen ermordet. Man nimmt an, dass es sich um zwei Täter handelt ...

Eugène Labiche zeichnet in seiner Vaudeville-Burleske mit bösem Witz Kleinbürger am Abgrund. Anstatt nach Aufklärung zu streben, versuchen sie, alles zu vertuschen und sind sogar bereit, lästige Mitwisser skrupellos umzubringen, um die bürgerliche Fassade aufrechtzuerhalten und die eigenen Hände in Unschuld zu waschen.

Probenbilder

Fotos: CS / BüchnerBühne

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