Affaire.Logo


Besetzung:

Mélanie Linzer (vocals)
Oliver Kai Müller (vocals)
Bastian Hahn (vocals, bass, keyboard)
Hannah Bröder (vocals)
Vincent Hoff (vocals, guitar)

Peter Brunner a. G. (conférence)

Musik: Christian Suhr
Chorarrangements: Bastian Hahn
Lyrics: Georg Büchner, Christian Suhr, Heiner Müller

Spieldauer: 90 Minuten (eine Pause)

PREMIERE: 17.10.2019

TicketsPresse

DARMSTÄDTER ECHO 26.02.20 (Charlotte Martin)

Das Ensemble der Leeheimer Büchnerbühne verpackt die Texte des Dichters in Musik und macht die Aktualität bewegend deutlich.

Dem tragisch kurzen Leben Georg Büchners (1813-1837) und seinem Rang als revolutionärer Dichter wurde von der Büchnerbühne im bewegenden Liederreigen ein Kranz gewunden: Die Welt so alt – Lieder für Georg“ hieß das Programm für den Namenspatron der Bühne, den Leiter Christian Suhr und Mitglieder des Ensembles mit dem Pianisten Bastian Hahn erarbeitet haben. Premiere dieses herausragenden Liederabends war am 206. Geburtstag Georg Büchners (17. Oktober 2019), nun machte der Reigen den Abschluss der Programmwoche zu Büchners Todestag am 19. Februar.

Suhr hatte starke Zitate aus Büchners Schriften sowie Motive aus Werken des Dramatikers Heiner Müller (1929-1995) und einzelne Verse Heinrich Heines (1797-1856) zu epochenübergreifenden, aufwühlenden Liedtexten verwoben, hatte sie in Arrangements aus Klassik-Pop-und Jazzelementen eingebettet. Mélanie Linzer, Hannah Bröder und Oliver Kai Müller interpretierten die Lieder mit hoher Intensität. Bastian Hahn spielte Keyboard und Bass und hatte die Chorpassagen eingerichtet. Elektronisch orchestraler Soundtrack verdichtete die Emotionen.

Hausherr Suhr merkte an: „Das Programm ‚Lieder für Georg’ mit Hip-Hop-und Popelementen habe ich primär konzipiert, um jungen Leuten Gelegenheit zu geben, Büchner besser kennenzulernen. Schulen haben da ja sehr viel verbrochen.“ In der Tat, dieser Abend ließ kein Herz kalt: Es paarten sich Lieder in umwälzender Denkungsart Büchners („In unserem Land ist Gewalt ein Zustand“), in weltabgewandter Schwermut Heinrich Heines („Und doch möcht ich im Grabe liegen, und mich an ein totes Liebchen schmiegen“), in verzweifelter Komik eines Leonce aus Büchners Feder – „Was die Leute nicht alles aus Langeweile treiben... und alles mit den wichtigsten Gesichtern“ – und im schonungslosen Rückblick Heiner Müllers von 1995 „Gespenster am toten Mann“.

Diese Montage aus Gespenstern des 20. Jahrhunderts – sei’s Rosa Luxemburg, Hitler oder Bertolt Brecht – setzte der Liederabend bruchlos fort mit Blick auf die Zeit Büchners und mit Blick auf die Gegenwart. Wahrlich: „Das Herz ist ein geräumiger Friedhof.“ Das Plakat, an dem vorbei das Publikum den Theatersaal betreten hatte, unterstrich diese brennende Aktualität: „Büchner wirkte in der Gründerzeit unserer Demokratie. Und genau die ist wieder einmal in Gefahr. Büchner findet statt“.

Moderator des Liederabends war Peter Brunner, Leiter des Büchnerhauses. Er verortete die Liedtexte mit Auszügen aus Büchners Erzählung „Lenz“ (1835), aus dem Drama „Dantons Tod“ (1835), dem Lustspiel „Leonce und Lena“ (1836) und aus dem Dramenfragment „Woyzeck“ (1837) zeitgeschichtlich und vertiefte das Verständnis durch Rezitation aus Briefwechseln, mit geschichtlichen Fakten sowie Äußerungen von Zeitgenossen und Nachfahren.

So war auch zu erfahren, dass dieser Sonntagabend, an dem leider nur wenige Zuschauer teilhatten, der Todestag von Friedrich Ludwig Weidig war, hatte dieser doch Büchners Pamphlet „Der Hessische Landbote“ (1834) für den Druck bearbeitet und für Verbreitung gesorgt. Weidig, evangelischer Pfarrer und Verkünder des „Christus der Armen“, habe sich 1837 im Arresthaus Darmstadt, wo er ab 1835 grausamster Folter ausgesetzt war, suizidiert, referierte Peter Brunner. Büchner, der mit dem ‚Landboten’ das Volk aufrief, sich gegen Unterdrückung zu wehren („Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“), entkam bekanntlich nach Straßburg.
                                                                   
< Text schliessen

Die Welt so alt

Lieder für Georg

„Siehst du die alten Bäume, die Hecken, die Blumen?
Das Alles hat seine Geschichten, seine lieblichen heimlichen Geschichten. Siehst du die greisen freundlichen Gesichter unter den Reben an der Hausthür? Wie sie sitzen und sich bei den Händen halten und Angst haben, daß sie so alt sind und die Welt noch so jung ist.

O Valerio, und ich bin so jung, und die Welt ist so alt.“


LEONCE & LENA

Georg Büchner


Anlässlich seines 206. Geburtstags ehren wir unseren Namenspatron Georg Büchner mit einer musikalischen Reise durch dessen Lebensstationen und Werk - mit 14 neuen Liedern und Songs im modernen Gewand auf Basis seiner Briefe und poetisch zeitlosen Theatertexte.


DWSOA1
clubderdichter logo%202
PianoBarLogo18
CLUBDERDENKER LOGO
GEISTDERFREIHEIT Webbanner