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mit

Christian Suhr

 

Unkostenbeitrag 3,- €

 

am Sonntag, den 28.8.2011

um 16:00

 

DIE TRUPPE DES MOLIÈRE Gerhard W. Menzel

 

Roman 1978 (Mitteldeutscher Verlag Halle Leipzig)

Noch heute, nach vier Jahrhunderten, wirkt der Ruhm des französischen Komödiendichters Molière unvermindert fort. Es ist bekannt, daß er zu seinen Lebzeiten, unter der Herrschaft Ludwigs XIV., und nach seinem Tode verlacht, verkannt und bewundert - angefeindet, verleumdet und glorifiziert wurde. Eine solche Wirkung allein seinen geistreichen, entlarvenden Stücken zuzuschreiben, in denen er die Auswüchse der auf Anbetung, Bewunderung und Heuchelei gegründeten Herrschaft des „Sonnenkönigs“ dem Spott preisgab, genügt jedoch nicht.

 

Besonders bemerkenswert sind Gerhard W. Menzels differenzierte Darstellung und sein entschiedener Standpunkt gerade dort, wo er auf geschickte und zutreffende Weise Ludwig XIV. in der Nachfolge Heinrichs IV. als Vertreter der Zentralmacht gegenüber Adel und Klerus betrachtet. Dieses und die Kenntnis der Lebensumstände Molières, seines Reifens vom Prinzipal einer unbedeutenden Provinzbühne zum Direktor der „Truppe des Königs“, seines Kampfes um ein realistisches und damit volksverbundenes Theater erst ermöglichen es, die leidenschaftlichen, widersprüchlichen Reaktionen auf seine konsequente Geisteshaltung zu begreifen.

 

Wer wohl sollte am besten geeignet sein, unbestechliche Auskunft zu geben über den großen Mimen und Regisseur, den waghalsigen Autor heute noch lebendiger Schauspiele, den geistig ebenbürtigen Gesprächspartner bedeutender Philosophen und Künstler seiner Zeit und schließlich, nicht zuletzt, den klugen und verständnisvollen Erzieher der mit ihm eng verbundenen Schauspieler? Der Roman-Autor hat einen guten Griff getan, als er folgerichtig dem Freund Molières, dem Chronisten, Schauspieler und Sprecher der Truppe, La Grange, der die wechselvollen Stationen der letzten 15 Lebensjahre Molières mit ihm zusammen gegangen ist, die Rolle des Erzählers zuerkannte.

 

Mit diesem Roman gelingt es, nicht nur eine historische Persönlichkeit, sondern ein ganzes historisches Kollektiv zum „Helden“ eines Romans zu machen. Gerhard W. Menzel schuf, nach langjährigen Studien, ein Bild Molières und seiner Truppe, das zu fesseln vermag durch die Achtung und Anteilnahme fordernde Persönlichkeit Molières wie auch die Wahrhaftigkeit der Darstellung seines Kampfes - ein Jahrhundert vor der bürgerlichen Revolution - um eine vernünftigere, menschliche Welt.

 

 

TitelMenzelMoliere

 

Gerhard W. Menzel
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