
mit
Christian Suhr
Unkostenbeitrag 3,- €
"Friede den Hütten" – und was ist mit den Palästen? Georg Büchner & die Geschichte der Arbeiterbewegung Mit Texten von Rolf Hochhuth, Walter Jens, Hans Mayer, Kasimir Edschmid u.a.
Georg Büchner war in den Schriften von Marx und Engels keine Erwähnung wert, obwohl sein "Hessischer Landbote" quasi die Grundlage für ihren "historischen Materialismus" bildete. Ließ sich mit dem "Pessimisten" Georg Büchner keine Notwendigkeit zur sozialen Revolution verkünden? Immer wieder wurde bis heute im Namen der Freiheit Büchner genutzt oder verschwiegen, verdammt oder gänzlich neu interpretiert, je nach politischer Lage und Mode.
Mit ausgewählten Texten gibt Christian Suhr Einblick in eine spannende Geschichte von deutschen Missverständnissen und falschen Vereinnahmungen eines Dichters, Politikers und Wissenschaftlers, dessen tiefgreifendes Verständnis der Problematik sozialer Gerechtigkeit noch heute aktuell ist.
So schreibt beispielsweise Hans Magnus Enzensberger ("Politischer Kontext 1964"): "Und an Karl Gutzkow schrieb er (Büchner): 'Mästen Sie die Bauern, und die Revolution bekommt die Apoplexie.' Man braucht nur für das Wort Bauern die Lieblingsphrasen einer pluralistischen Soziologie einzusetzen, will sagen: Arbeitnehmer und Sozialpartner, um zu ermessen, wie tief Büchners Blick in die Zukunft reichte, nämlich, in dieser Frage, weiter als der von Friedrich Engels und von Karl Marx."
Der Haß ist so gut erlaubt als die Liebe, und ich hege ihn im vollsten Maße gegen die, welche verachten. Es ist deren eine große Zahl, die im Besitze einer lächerlichen Äußerlichkeit, die man Bildung, oder eines toten Krams, den man Gelehrsamkeit heißt, die große Masse ihrer Brüder ihrem verachtenden Egoismus opfern. Der Aristokratismus ist die schändlichste Verachtung des heiligen Geistes im Menschen; gegen ihn kehre ich seine eigenen Waffen; Hochmut gegen Hochmut, Spott gegen Spott. – I hr würdet euch besser bei meinem Stiefelputzer nach mir umsehn; mein Hochmut und Verachtung Geistesarmer und Ungelehrter fände dort wohl ihr bestes Objekt. Ich bitte, fragt ihn einmal ... Die Lächerlichkeit des Herablassens werdet Ihr mir doch wohl nicht zutrauen. Ich hoffe noch immer, daß ich leidenden, gedrückten Gestalten mehr mitleidige Blicke zugeworfen, als kalten, vornehmen Herzen bittere Worte gesagt habe. – [...]
Die Staatsform muß ein durchsichtiges Gewand sein, das sich dicht an den Leib des Volkes schmiegt. Die Gestalt mag nun schön oder häßlich sein, sie hat einmal das Recht, zu sein, wie sie ist; wir sind nicht berechtigt, ihr ein Röcklein nach Belieben zuzuschneiden.
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