
mit
Christian Suhr
Unkostenbeitrag 3,- €
Der Dichter und Revolutionär Ernst Toller beschreibt in seinen Lebenserinnerungen seine Jugendzeit bis zum Jahr 1924. Der junge Toller will jeden Tag Apfelkuchen mit Schlagsahne für zwanzig Pfennig das Stück essen. Von den Eltern bekommt er jedoch nur fünfzig Pfennige die Woche als Taschengeld. Also arbeitet er schon als Jugendlicher als Autor für die Heimat- Kolumne der Bromberger Ostdeutschen Rundschau. Der aufsässige Schüler Toller hinterfragt beim Religionslehrer kritisch die Folgen der Schöpfung: Haben damals am Anfang der Menschheit, direkt nach Adam und Eva, Bruder und Schwester tatsächlich einander geheiratet? –Die Antworten befriedigen den jungen Skeptiker nicht. Als Student in Grenoble (Jura, Literatur, Philosophie) erlebt er alsbald den Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Sofort begibt sich der Patriot Toller auf deutschen Boden und meldet sich freiwillig als Soldat. Der Weg Ernst Tollers vom deutschen Bürgerlichen zum revolutionären Sozialisten wird authentisch erzählt. Nicht zuletzt ist es der Kontrast von der leichtlebigen Jugendzeit zu seinen grauenvollen Erlebnissen im Schützengraben, die den Leser die charakterlichen Wendepunkte des Autors mitfühlen und seine seelischen Konflikte erahnen lassen. Eine überraschend selbstironische und komödiantische Erzählhaltung entwickelt sich in der Folge selbst bei Kapiteln wie der Münchner Räterepublik, in der Toller unter Einsatz seines Lebens politisch aktiv war: „Die sozialistische Revolution in München - ein bayrisches Bauerntheater“. Nach dem Scheitern der Räterepublik wird er zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt, die er von 1919 bis 1924 in den Gefängnissen Stadelheim, Eichstätt, Neuburg an der Donau, und insbesondere in Niederschönenfeld bei Rain am Lech verbüßt. Hier schreibt er seine bedeutendsten Werke und gelangt zu Theaterruhm. Seine Stücke, nicht zuletzt inspiriert von Leben und Werk Georg Büchners, werden in 27 Sprachen übersetzt und auf den wichtigsten Bühnen der Welt aufgeführt.
TANZ DER SKELETTE (Szene aus dem Drama DIE WANDLUNG von Ernst Toller)
Nach seiner Haftentlassung setzte Toller sich weiter rastlos für seine humanitären Ideale ein. Die politischen Fragen, mit denen er sich bis zu seinem Tod beschäftigte, sind von bestürzender Aktualität. Toller prophezeite Ende der Zwanziger Jahre bereits, dass Hitler, auf legale Weise an die Macht gekommen, diese nie mehr abgeben würde. Sein Kommentar zu Hitlers olympischen Tönen in Berlin 1936: „Der Diktator, der den Frieden von heute preist, tut es, um den Krieg von morgen vorzubereiten.“ Ab 1933 im Exil, bemühte Ernst Toller sich, die Zersplitterung der politischen Kräfte aufzuheben. In den USA wurde er zum meistgehörten und gefeierten Repräsentanten eines anderen Deutschlands. Er stellte seine Popularität in den Dienst gigantischer Hilfsprojekte für die notleidende Zivilbevölkerung in Spanien. Die Niederlage der spanischen Republik musste Toller jedoch als erneute Erfahrung einer verratenen Revolution empfinden. Er warnte, der Bürgerkrieg in Spanien sei für Hitler-Deutschland lediglich die Generalprobe für einen europäischen Krieg. Seine Appelle an die westlichen liberalen Demokratien, die Nichteinmischungspolitik aufzugeben, verhallten ungehört. Die Anerkennung der faschistischen Diktatur Francos durch die Westmächte erschütterte Toller zutiefst, da er seinerseits nie bereit war, ethische Überlegungen aus seinem politischen Handeln auszublenden. Diese Gewissenlosigkeit der Politik trieb Ernst Toller zur Verzweiflung. Alles, wofür er literarisch und politisch gekämpft hatte, schien verloren. Am 19. Mai 1939 feierte Franco in Madrid mit einer großen Parade seinen Sieg. Drei Tage später nahm sich Ernst Toller in New York das Leben.
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Ernst Toller, 1919.
(Bayerische Staatsbibliothek)
ISBN: 3499141787
EAN: 9783499141782
Libri: 3339750
Rowohlt Taschenbuch Verlag
Januar 1963 - kartoniert - 166 Seiten
PREIS: 6,95,- €