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WOYZECK: Anmerkungen Georg Büchner hat die Arbeit an dem Drama »Woyzeck« vor seinem Tod nicht mehr abschließen können. Überliefert sind nur eine Reihe von Szenenentwürfen (H1, H2, H3) und eine unvollständige Reinschrift mit vorläufigem Charakter (H4), die leider nicht einmal die endgültige Abfolge der Szenen erkennen läßt. Bekannt geworden ist das Drama durch Rekonstruktionsversuche, zunächst durch die Edition von Karl Emil Franzos, später dann durch die Lesefassung Fritz Bergemanns, die lange Zeit als verbindlich angesehen wurde. Damit sich jeder Leser selbst ein Bild von dem überlieferten Text machen kann, werden hier Büchners Handschriften nach der kritischen Edition von Werner R. Lehmann wiedergegeben. Zwei Handreichungen sollen dem Benutzer die Orientierung erleichtern. Da Büchner den Figuren seines Dramas im Laufe der Arbeit unterschiedliche Namen gab, wurden den Figurenbezeichnungen in den ersten Entwürfen die endgültigen Namen der vorläufigen Reinschrift nachgestellt. Zum anderen soll die folgende Übersicht über die Szenenreihenfolge in drei maßgeblichen Rekonstruktionsversuchen des Dramas erste Hinweise auf eine möglichen Anordnung der Szenen geben. Die drei Rekonstruktionsversuche selbst unterscheiden sich freilich nicht nur im Hinblick auf die Anordnung der Szenen, sondern auch durch unterschiedliche Lesungen der Handschriften und durch abweichende Wortkreuzungen der verschiedenen Entwürfe zu den einzelnen Szenen.
1. Reihenfolge der Szenen in der Lese- und Bühnenfassung von Fritz Bergemann (zuerst in: Georg Büchner: Werke und Briefe, Leipzig 1921.) H4,5 – H4,1 – H4,2 – H2,3 mit Erg. aus H1,1 – H2,5 – H1,2 – H1,3 – H4,4 – H4,8 – H4,6 – H4,9 mit Erg. aus H2,7 – H4,7 mit Erg. aus H2,8 – H4,10 – H4,11 – H4,12 mit Erg. aus H1,6 – H4,13 mit Erg. aus H1,7 – H3,1 – H1,8 – H4,14 – H4,15 – H4,16 – H4,17 – H1,14 – H1,15 – H1,17 mit Erg. aus H1,10 – H1,19 – H1,20 – H1,16
2. Reihenfolge der Szenen in der Lese- und Bühnenfassung von Werner R. Lehmann (zuerst in: Büchner-HKA – siehe Sigelliste) H4,1 – H4,2 – H2,3 mit Erg. aus H1,1 – H2,5 – H1,2 – H4,4 – H4,5 – H4,6 – H4,7 – H4,8 – H4,9 mit Erg. aus H2,7 – H4,10 – H4,11 – H4,12 – H4,13 – H4,14 – H4,15 – H4,16 – H4,17 – H3,1 – H1,14 – H1,15 – H1,16 – H1,17 – H1,19 – H1,20 – H1,18 – H1,21 – H3,2
3. Reihenfolge der Szenen in der Lese- und Bühnenfassung von Henri Poschmann (zuerst in: Georg Bücher, Woyzeck. Nach den Handschriften neu hergestellt und kommentiert von Henri Poschmann, Leipzig 1984.) H4,1 – H4,2 – H2,3, mit Erg. aus H1,1 – H2,5 – H1,2 – H1,3 – H3,1 – H4,4 – H4,5 – H4,6 – H4,8 – H4,9 mit Erg. aus H2,7 – H4,7 – H4,10 – H4,11 – H4,12 – H4,13 – H1,8 – H4,14 – H4,15 – H4,16 – H4,17 – H1,14 – H1,15 – H1,16 – H1,17 – H1,19 – H1,20 – H1,18 – H3,2 – H1,21.] Quelle: Georg Büchner: Sämtliche Werke und Briefe. Band 1–2, Band 1, Reinbek 1967–1971, bzw. München 21974, S. 144.
BRIEFE: Anmerkungen Büchners Briefwerk ist nur bruchstückhaft überliefert, viele Briefe liegen nicht mehr im Original vor. So hat z.B. Wilhelmine Jaeglé die meisten der an sie gerichteten Briefe nach dem Tod Büchners vernichtet. Ein weiterer großer Teil ging bei einem Archivbrand in den 1850er Jahren verloren. Die heutigen Ausgaben stützen sich deshalb vor allem auf den ersten Herausgeber des Briefwerks, Büchners Bruder Ludwig (1850). Dessen Bestreben war jedoch nicht eine lückenlose Sammlung, sondern eine interpretierende Auswahl mit einem besonderen Augenmerk auf Büchners politische Aktivitäten. Nicht nur das literarische Schaffen kommt deshalb zu kurz, sondern auch viele private Aspekte wurden ausgeblendet. Von Ludwig Büchner stammen so auch viele der zahlreichen Auslassungen (im vorliegenden Text mit […] markiert): einige Briefzitate setzen unvermittelt ein und enden ebenso. Dennoch gibt das Briefwerk einen tiefen Einblick in Büchners Leben, und die Einflüsse auf sein Werk werden sichtbar. Wie bei kaum einem anderen Schriftsteller sind politisches Engagement und literarisches Schaffen miteinander verwoben. Dies zeigt sich sowohl im Inhaltlichen als auch im Formalen. In den Briefen finden sich Formulierungen, die auch Eingang in die Stücke gefunden haben. In unserem Dokument sind noch nicht die beiden neu entdeckten Briefe an den Schwager Eduard Reuß aufgenommen, die erstmals bei Hauschild veröffentlicht und kommentiert wurden.gegen zeitlebens ein schwieriges Verhältnis. Ernst Büchner war überzeugter Monarchist; er verehrte Napoleon, weil dieser den revolutionären Umtrieben ein Ende gemacht hatte. Seine Stellung als Medizinalrat hatte er sich nur durch eigene Leistung erworben, weshalb er mit seinen Kindern sehr streng war. Obwohl ihm in seinem gymnasialen Abschlusszeugnis sehr gute Leistungen in Latein und Griechisch bescheinigt wurden, interessierte sich Georg Büchner nicht sonderlich für diese alten Sprachen. Er schätzte dafür aber umso mehr die damals in den Schulen stark vernachlässigten Naturwissenschaften, mit Ausnahme der Mathematik, wo er nur unterdurchschnittliche Leistungen zeigte. Einmal notierte er am Rande seines Heftes: „Lebendiges! Was nützt der tote Kram?“ Am intensivsten widmete er sich der Geschichte, vor allem der Geschichte der Französischen Revolution, die später Eingang in sein Werk Dantons Tod fand. Ende September 1830 hielt er anlässlich einer Schulfeier eine Verteidigungsrede für Cato von Utica, einen glühenden Verfechter der römischen Republik. Nach Büchner beging dieser Selbstmord aus Liebe zur Freiheit, da das Volk unter der Herrschaft Cäsars nur Sklaven sein würde. Angesichts der französischen Juli-Revolution war dies die erste öffentliche politische Aktion Büchners im Kampf für die Freiheit des Volkes. Zuvor hatte er schon, wahrscheinlich im Winterhalbjahr 1829/30 im Rahmen einer Rhetorikübung im Deutschunterricht, einen Aufsatz über den "Helden-Tod der vierhundert Pforzheimer" verfasst, in dem er patriotische Ehre und Pflicht propagierte. .
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