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Kladderadatsch

"Organ für und von Bummler"

„Kladderadatsch" war der Titel einer politisch-satirischen Zeitschrift, die zum Beginn der deutschen Revolution von 1848 bis 1944 regelmäßig wöchentlich herausgegeben wurde.

Ihr Name ist hergeleitet von dem lautmalerischen Berliner Ausdruck, wenn „etwas herunter fällt und mit Krach in Scherben zerbricht“.
Der Zeitschriftentitel machte den Ausdruck so populär, dass er zum politischen Schlagwort wurde, das ironisch gebraucht – vor allem von August Bebel – den Zusammenbruch der bürgerlichen Gesellschaft charakterisierte.

In Fortsetzung unserer Reihe SatireSamstag stellen wir Ihnen die besten Texte, Sketche, Witze und Couplets in chronologischer Folge aus den Ausgaben der Revolutionsjahre 1848/49 vor. 

Tickets

Sa. 07.02. 19:30 Uhr: "Die Zeit ist umgefallen!"

Kladderadatsch: Organ für und von Bummler / Sonntag, den 7. Mai 1848

Untertitel: "Dieses Blatt erscheint täglich mit Ausnahme der Wochentage"

Berliner! Räumt die Hindernisse weg, die dem Erscheinen dieses Journals im Wege stehen. Entsendet Männer voll des ächten Berliner Geistes, die auf Kladderadatsch subscribiren! Eure liebreiche Freundin, die Redaktion dieser Blätter, vereinigt ihre äußersten Bitten um baldiges Abonnement mit denen ihrer Mitarbeiter. Preis: 1 ½ Sgr.

Berlin, am ersten Mai 1848

"Im wunderschönen Monat Mai

Wo alle Blüthen sprangen: —

Da sind auch meiner Bummelei

Die Augen aufgegangen!"

Die Zeit ist umgefallen!
Der Geist hat der Form ein Bein gestellt!
Der Zorn Jehovahs brauset durch die Weltgeschichte!
Urwahlen haben begonnen, — Fürsten sind gestürzt — Throne gefallen — Schlösser geschleift, — Weiber verheert — Länder mißbraucht — Juden geschändet — Jungfrauen geplündert — Priester zerstört — Barrikaden verhöhnt — Kladderadatsch!

Kladderadatsch Folge1WEB

Besetzung

Mélanie Linzer
Soraya Mezhere
Erich Schaffner
Christian Suhr

Gallery

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Berlin 1920

Zeitzeuge Klaus Mann schreibt, dass "Millionen von unterernährten, korrumpierten, verzweifelt geilen, wütend vergnügungssüchtigen Männern und Frauen versuchen, sich durch ihre Exzesse in einer auf den Kopf gestellten Welt der Realität des Alltags zu entziehen.“

Dafür bietet die Stadt eine Menge exzellente Möglichkeiten, von der einfachen Kaschemme bis zur kristalllüsternen Edelbar.
Überhaupt ist Berlin 1920 die Stadt der jungen, lebenshungrigen Menschen: Ein Drittel der Bevölkerung ist unter 18 Jahre alt.

"Ich bin Babel, die Sünderin, das Ungeheuer unter den Städten. Sodom und Gomorra waren nicht halb so verderbt, nicht halb so elend wie ich! Nur hereinspaziert, meine Herrschaften, bei mir geht es hoch her, oder vielmehr, es geht alles drunter und drüber. Das Berliner Nachtleben, Junge-Junge, so was hat die Welt noch nicht gesehen! Früher mal hatten wir eine Armee, jetzt haben wir prima Perversitäten! Laster noch und noch! Kolossale Auswahl! Es tut sich was! Das muß man gesehen haben!“

Klaus Mann (Der Wendepunkt)


Gleich nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Berlin zwei Künstlerlokale, das Café Größenwahn und das Maenz. An der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße, im Zooviertel, sitzt in verqualmten Räumen die kulturelle Elite der Stadt und denkt, schreibt, spielt oder singt den „Neuen Weltgeist“ herbei. Dabei ist der „Kapp-Putsch“ - ein nationalistischer Umsturzversuch gegen die Weimarer Republik - erst ein paar Monate her. Die Uhr tickt, der Vulkan brodelt, der Tanz beginnt …

Babylon Songbook Pic
Presse

LEEHEIM. „Sommersalon" feiert auf der BüchnerBühne Premiere

Kommt ein Gesangsquartett zusammen, dann sollen sich vier verschiedene Stimmen zu einem Ganzen verbinden. Es sind aber zugleich verschiedene Persönlichkeiten, die aufeinandertreen, jede mit ihren Wünschen und Hoffnungen, Ängsten und Schwächen. Statt Harmonie gibt es schnell Missklänge, zumal wenn noch die Liebe ins Spiel kommt. In verschiedenen Konstellationen und Epochen kostet „Sommersalon“, das neue Stück der Büchnerbühne, diese Grundidee immer wieder anders aus. Am Freitagabend war Premiere.

Vordergründig sind es im Paris verschiedener Zeiten die musikalischen Geschmäcker, die aufeinanderprallen, auch unterschiedliche Vorstellungen vom ordentlichen Ablauf einer Gesangsprobe. Soll man 1890 ernsten Bach singen oder doch fröhlichen Rossini? Muss es 1943 in der besetzten Stadt wirklich die verkopftee Zwölftonmusik von Arnold Schönberg sein? Kann man 2020 zusammen Jazz üben, wenn man sich nicht mal über die Probenzeit einig ist?

Tatsächlich aber, so wird in der jeweils zweiten Szene deutlich, stehen dahinter unerfüllte Sehn- und Eifersüchte, die sich in den Streitereien Luft machen, schließlich aber das ganze Quartett sprengen wollen: Manche Mitglieder halten es mit den
verdrängten Wünschen und Leiden nicht mehr aus, fordern Klarheit auf Biegen oder Brechen. Manchmal ist da nach bester Boulevard-Manier jeder in jemand anderen unglücklich verliebt, türmen sich amouröse Missverständnisse übereinander.

Die Musik, die jede der Szenen abschließt, mal live gesungen und mal eingespielt, steht längst nicht immer für die Wiederherstellung der Harmonie, sondern kann auch die Spannung innerhalb des fragilen Aufbaus fühlbar machen.
Möchte man zur Pause davon ausgehen, dass alle drei Quartette nur noch auseinanderbrechen können, so fällt in der zweiten Hälfte des Stücks das Ergebnis zuweilen überraschend aus: Manchmal ging es doch weiter, vielleicht ganz anders als erwartet. In dem von Coline Serrau als Tragikomödie konzipierten Stück kann das Ende nie ganz freudig und auch nicht ganz traurig ausfallen. Ein Schenkelklopfer ist hier nicht beabsichtigt, eher herrscht das „Lächeln trotz allem“.

Man kann bei der dreifach verwickelten Geschichte an rainierte französische Filmkomödien denken, wie sie immer wieder das deutsche Publikum staunen lassen über die Leichtigkeit, mit der im Nachbarland auch schwierige Stoffe und Situationen charmant serviert werden. Die Büchnerbühne hat schon Erfahrung mit Serrau-Stücken, gelang doch mit „Hase Hase“ von der gleichen Autorin schon 2023 eine sehr erfolgreiche Darbietung.

Den Schauspielern verlangt das sehenswerte Stück einiges ab, denn sie müssen in rascher Folge in ganz verschiedene Charaktere schlüpfen: eben noch hysterische Zicke und jetzt schüchternes Mädchen, eben noch verliebter Jüngling und jetzt sarkastischer
Spötter. Christian Suhr (der auch Regie führt), Melanie Linzer, Lara Henneberger und
Alexander Valerius gelingt das und sie beeindrucken durch ihre vielfältige
Ausdruckskraft.

Seine stärksten Passagen hat das Stück, wenn sich in der Kriegs- und Nachkriegszeit die
Weltgeschichte in die Liebeshändel einmischt und plötzlich ganz andere Dinge als die
persönlichen Eitelkeiten wichtig werden. 

09.06.24 René Granacher, DARMSTÄDTER ECHO

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